Donnerstag, 13. Februar 2014

Automatisieren? Für unsere paar Daten?

Mechanischer Schachtürke, Kupferstich von Windisch
Viele Bibliotheken stehen bei der elektronischen Langzeitarchivierung (eLZA) ihrer Daten vor einem Dilemma: sie haben entweder große Datenmengen, die sie über einen längeren Zeitraum in ihr eLZA überführen ("ingesten") wollen, oder bei ihnen fallen in regelmäßigen Abständen kleinere Mengen gleichartiger Daten an, die dann jeweils auf Anfrage geingested werden. Wegen des Budgetmangels öffentlicher Einrichtungen ist es oft verlockend, die Arbeiten manuell von einem Mitarbeiter ausführen zu lassen und so die Entwicklungskosten für eine automatisierte Lösung einzusparen. Stattdessen werden die kleinen wiederkehrenden Kosten für die Arbeitszeit der Mitarbeiter kurzsichtig in Kauf genommen.

Zusätzlich zu den Einlieferungen aus den verschiedenen Workflows der Einrichtungen (Digitalisierung, wissenschaftliche Publikationsservices mit born-digital-Dokumenten, digitale Foto- und Mediensammlungen, Archive für medizinische Daten u.v.a.m.) gibt es oft Anforderungen der verschiedenen Fachabteilungen, die Inhalte des eLZA zu aktualisieren oder mit zusätzlichen Daten anzureichern ("AIP Update").

Auch wenn manuelle Prozesse für Mitarbeiter der Führungsebene und der Arbeitsebene gleichermaßen verlockend scheinen, sind sie doch zeitaufwändig und durch die menschliche Komponente auch fehleranfällig. Menschen sind jedoch gut darin, intellektuelle Leistungen zu vollbringen, denken und Schlüsse zu ziehen; weniger gut sind sie darin, monotone Prozesse in immer gleichmäßiger Qualität auszuführen.

Grundsätzlich kann man fast jeden Prozess der Langzeitarchivierung automatisieren. Nur Prozesse, die genau einmal während der Lebensdauer des eLZA auftreten, sind aus Effizienzgründen davon ausgenommen. Im Fall der Retrodigitalisierung (Scannen historischer Schriften u. ä.) beginnt diese Automatisierung oft schon bei der Erstellung des Archivmaterials, bei anderen Prozessen kann die Automatisierung frühestens beim Ingest ansetzen. Voraussetzung ist nur, dass sowohl Nutzdaten als auch Metadaten in maschinenlesbarer Form (gern geeignete XML-Formate) vorliegen. Sie setzt sich fort in Updates an den Archival Information Packages (AIP) und an den fortwährend nötigen Risikobewertungen und Formatwandlungen zur Bestandserhaltung und, sofern man nicht gerade "dark archive" betreibt, der Auslieferung an den Endnutzer.

Wichtig ist in jedem Fall, dass das Teilproblem klein und überschaubar ist, die Anforderungen klar feststehen und die Schnittstellen zu anderen Teilen des Gesamtsystems gut durchdacht und -definiert sind. So ist sichergestellt, dass die Komplexität niedrig gehalten wird und der Entwicklungsaufwand überschaubar bleibt.

The All-New Range Rover | Manufacturing Shots
Außerdem sollte die Automatisierung von Anfang an Teil der konzeptionellen Überlegungen sein und in Entscheidungen zum System und den verfügbaren Schnittstellen einfließen, um das Archivsystem geeignet von außen ansteuern zu können. Nur so ist sichergestellt, dass alle Schritte der Einlieferung und  Bewahrungsaktionen ohne menschliches Eingreifen ablaufen können.

Entscheidet man sich für die Automatisierung, erhält man nach einem leicht erhöhten initialen Aufwand ein stabiles System, das in gleichbleibender Qualität große Datenmengen verarbeitet. Sicher ein Tausch, der die Mühe lohnt.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Lernen, warum Langzeitarchivierung – durch Film gucken


Pünktlich zum Jahreswechsel muß ich doch diesen kleinen Beitrag loswerden. Viele in meinem Umfeld fragen mich, warum wir uns so viel Mühe mit der Langzeitarchivierung geben…

Über Weihnachten bin ich über den Film »Agora – Die Säulen des Himmels" gestolpert.


In dem Film wird gezeigt, wie schnell das Wissen der Menschheit durch aufkommende Konflikte in Gefahr gerät.

Ohne zuviel über den Plot zu verraten, mich hat es berührt, daß mit der Zerstörung der Bibliothek von Alexandria das Wissen der Menschheit so nachhaltig vernichtet wurde, daß zB. erst 1300 Jahre später Kepler wiederentdeckte, daß die Planeten sich auf Ellipsenbahnen bewegen. 

Übrigens, wenn ihr nach einem guten Namen für ein Projekt im Bereich der LZA sucht,  Ὑπατία wäre ein guter Name :)


Mittwoch, 13. November 2013

Kulturreste?

Zuerst einmal, willkommen auf diesem Blog! :)


Jörg und ich haben uns entschieden, privat dieses Blog zu betreiben, weil wir beide denken, dass das Thema Digitale Langzeitarchivierung, genauer: die Sicherung der Langzeitverfügbarkeit digitalisierter und digitaler Kulturgüter  und Kulturschätze, zur Zeit noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Wir beide arbeiten in einem Projekt zum Aufbau eines digitalen Langzeitarchivs und möchten hier Probleme und Ideen diskutieren, die noch unausgegoren sind. Wir möchten auf technische Entwicklungen eingehen und aktuelle Fragestellungen des gesellschaftlichen Umgangs mit Kulturgütern kommentieren.

Warum denn nun der Titel „Kulturreste“?


Den Zweck des Blogs haben wir Euch nun dargelegt und ihr fragt Euch, wie wir auf diesen schönen Titel „Kulturreste“ gekommen sind?

Nun, seit der Verschärfung des deutschen Urheberrechtes in den 60-er Jahren und unter dem Einfluss des digitalen Wandels stehen wir in der Gesellschaft vor zwei großen Problemen, was das kulturelle Gedächtnis betrifft.

Zum einen verschwinden immer mehr Werke aus dem Kulturgedächtnis, da durch die Verlängerung der Schutzfristen, die Erinnerung daran nicht mehr lebendig gehalten wird. Wenn Werke von Thomas Mann, Berthold Brecht u.a. von Erbengemeinschaften unter Verschluss gehalten werden, kann eine Neuinterpretation, eine aktuelle Auseinandersetzung mit diesen Autoren, wenn überhaupt, nur eingeschränkt stattfinden.

Zum anderen haben wir mit der Loslösung vom nahezu unverwüstlichen analogen Trägermedium Papier hin zur rein digitalen Speicherung von Kulturgütern das immer stärker werdende Problem, dass Formate und Medien immer schneller veralten und nicht mehr interpretiert werden können.

Was wird vor diesem Hintergrund von unserem Jahrhundert kulturell noch an die nachfolgenden Generationen überliefert werden? „Kulturreste“ ist der Versuch, auf diese Problematik hinzuweisen.