Posts mit dem Label Signaturen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Signaturen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 17. September 2018

A file is a TIFF is a MP3 is a…

In den letzten Tagen sind uns einige Dateien aufgefallen, die in der Formatidentifizierung hängengeblieben sind. Diese wurden von Droid als TIFF (fmt/353) und als MP3 (fmt/134) erkannt.

Die Frage, die sich uns stellte: Lag ein Fehler vor, oder handelt es sich tatsächlich um Dateien, die man anhand der Pronom-Signaturen sowohl als TIFF als auch als MP3 interpretieren könnte?

Um diese genauer zu untersuchen, haben wir uns ein Perl-Script¹ geschrieben. welches die Muster aus der Droid-Signaturen Datei verwendet und die entsprechenden Treffer im HexEditor sichtbar macht. Hier ein Screenshot:

wxHexeditor, Screenshot mit spezieller Tags-Datei


Wie man sieht, treffen mehrere Muster. Zum einen das Muster für TIFF-Dateien, indem am Anfang der Magicbyte-String "0x4949" vorkommt. Zum anderen auch eines der Rezepte, die einen MP3-Datenstrom beschreiben.

Bei Wikipedia findet man unter XXX folgende Darstellung eines MP3-Frames. Das Muster in der Droid-Signatur trifft, da 8 Frames hintereinander vorkommen:

MP3-Struktur, Quelle: Wikipedia, sh. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mp3filestructure.svg (CC-BY/GFDL)

Diese Datei ist ein gutes Beispiel dafür, daß nicht die Muster in der Pronom-Datenbank das Problem sind, sondern dateiformat-spezifische Eigenschaften es notwendig machen, den Ingest-Prozess so zu gestalten, dass dieser mit mehreren Treffern in der Formatidentifikation umgehen kann.

Siehe hierzu auch unser Beitrag "Formatidentifikation vs. Formatvalidierung - Wem glauben wir eigentlich?" unter https://kulturreste.blogspot.com/2016/06/formatidentifikation-vs.html


--
¹ Das Perlscript stellen wir demnächst zur Verfügung

Montag, 1. September 2014

Dateiformat-Explosion

Vorwort


Zum Bibliothekartag 2014 gab es im Nachtrag zu unserem Vortragsblock eine rege Diskussion darüber, ob es sinnvoll ist, erst einmal alle Dateien in ein Langzeitarchiv aufzunehmen und sich später Gedanken darüber zu machen, wie man deren Langzeitverfügbarkeit z. B. durch Formatmigration sicherstellt.

Ich habe viel recherchiert, aber wenig belastbare Zahlen gefunden. Ein guter Indikator könnten die Signaturen für DROID sein, einem Programm zur Ermittlung des Datenformates unbekannter Dateien.

Auf Pronom findet man 77 Versionen von 08-2005 bis 07-2014, von ehedem 766 bis heute 1.459 von DROID unterstützten Signaturen.

Alternativ könnte man die Datenbanken des Unix-Befehls file (http://www.darwinsys.com/file/) heranziehen. Auf ftp://ftp.astron.com/pub/file/ findet man Versionen von 08-2008 bis 06-2014.

Eine andere Möglichkeit wäre, die bei der IANA registrierten MIME-Types (zur Zeit 1.087 verschiedene Signaturen) heranzuziehen: http://www.iana.org/assignments/media-types/media-types.xhtml

Außerdem wurde ich noch auf http://fileformats.archiveteam.org/wiki/Main_Page aufmerksam gemacht.

Leider gibt es zu den letzten beiden Links keine auswertbare Timeline.

Was uns 'file' verrät


Wir können annehmen, dass sowohl bei 'file' als auch bei DROID, die Signaturen in gewisser Weise die Dateiformate enthalten, die auch weit verbreitet sind. Wie stark wissen wir nicht, aber wenn sie total unbedeutend wären, hätte sich keiner die Mühe gemacht, für diese Signaturen zu erstellen.

Wir können ferner annehmen, dass nach einer gewissen Einschwingzeit die Zahl der Dateiformate in diesen Signatur-Datenbanken der Anzahl der tatsächlich verbreiteten Dateiformate entspricht.

Im Folgenden das Diagramm der Entwicklung der Dateiformate basierend auf der file Magic Bytes Datenbank von Ende 1999 bis Mitte 2014.

Count of different fileformats based on magic bytes database of file, 08/2014, Andreas Romeyke

Als Grundlage für das Diagramm diente das GIT-Repository von file, genauer das Verzeichnis 'magic/Magdir'. Über die Tags extrahierte ich alle Versionen des Verzeichnisses und ließ das folgende Script die dem Diagramm zugrunde liegende CSV-Datei erstellen:


#!/bin/bash
echo "#version, date, group, count"
for version in *;do
  for sub in $version/magic/Magdir/* ; do
    group=$(basename $sub); 
    count=$(cat $sub | grep "^0" | wc -l);
    date=$(cd $version; git log --name-status --date=raw \
    --pretty='format:commit,%ae,%ai,%ce'| cut -d "," -f 3| head -n 1|\
    cut -d " " -f 1)
    echo "$version, $date, $group, $count"; 
  done ;
done


Sehr überraschend für uns war der nahezu lineare Verlauf der Formatvielfalt. Um auszuschließen, dass dies andere Ursachen hat, war es notwendig, eine zweite, von file unabhängige Quelle heranzuziehen.

DROID/Pronom als Quelle


Die Entwickler von DROID haben, wie oben bereits angedeutet, ihre Signaturfiles von Version 1 bis zur aktuellen Version 77 online angeboten.

Pronom hat als Projekt das Ziel, für Langzeitarchive eine verlässliche Quelle für Dateiformate, Signaturen und zugeordnete Programme bereitzustellen. DROID übernimmt als Programm die Aufgabe der Identifikation unbekannter Formate.

Durch den strukturierten Aufbau der Signaturdateien ist eine automatische Auswertung möglich.

Im Folgenden ist die Anzahl der verschiedenen Dateiformate über die Zeit zu sehen:


Count of different fileformats based on DROID signatures, 08/2014, Andreas Romeyke
Auch hier ergibt sich ein nahezu linearer Zuwachs, spätestens ab Mitte 2010.

Da erst in späteren Signaturen ab ca. 2009 auch MIME-Types hinterlegt wurden, sieht die Entwicklung der einzelnen Kategorien im folgenden Diagramm etwas anders aus:

Count of different fileformats per category, based on DROID signatures, 08/2014, Andreas Romeyke

Hier noch das Shell-Script:

#!/bin/bash
echo "#version, date, application, text, images, audio, video"
for i in droid/DROID_SignatureFile_V*.xml; do
  version=$(echo $i |sed -e "s/.*_V\([^.]\+\).*/\1/" );
  date=$(cat $i | grep -m 1 "DateCreated=" |\
  sed -e "s/.*DateCreated=\"\(....-..-..\).*/\1/" );
  echo -n "$version, $date,"
  for category in application text image audio video; do
    count=$(xmlstarlet sel -t -v\
    "//_:FileFormat[contains(@MIMEType, \"$category/\")]/@Name" $i| \
    sort | uniq | wc -l)
    echo -n "$count,"
  done;
  echo
done | sort -n 

Wenn pro Jahr also 90 neue Dateiformate…


Die Anzahl der  Dateiformate wächst nahezu linear. Pro Jahr kommen im Schnitt 90 neue Dateiformate hinzu, die immerhin eine solche Verbreitung erfahren, dass sie in den Signatur-Datenbanken Widerhall finden.

Wenn wir in Zeiträumen von 50 Jahren denken, haben wir knapp 5000 Formate zu behandeln.

Wer alles in sein Langzeitarchiv hineinkippt, was ihm seine Nutzer anbieten, wird daher in Zukunft kaum die Ressourcen haben, Spreu und Weizen zu trennen und eine Langzeitverfügbarkeit sicherzustellen.

Die Entwicklung zeigt, dass dringend eine Spezialisierung der Langzeitarchive notwendig ist, um Wissen über Formate aufzubauen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Es zeigt auch weiterhin, dass Nutzer der Archive über die Problematik aufgeklärt werden müssen.